Open Nav Beratung anfordern

Die Bevölkerung wächst, aber nicht überall

27.06.2022

Das Statistische Bundesamt hat neue Daten zum Bevölkerungsstand Ende 2021 veröffentlicht. In den einzelnen Bundesländern fielen die Veränderungen ganz unterschiedlich aus. Wo der demografische Wandel besonders tiefe Spuren hinterlässt.

(verpd) Die Bevölkerungszahl in Deutschland stieg 2022 laut Destatis um fast 90.000 Einwohner auf über 83,2 Millionen Personen. Um über 40 Prozent erhöhte Wanderungsgewinne glichen das nur leicht gestiegene Geburtendefizit mehr als aus. In sechs Bundesländern waren Verminderungen zu beobachten, die in Sachsen am stärksten ausfielen. Bayern hingegen verzeichnete den größten Zuwachs. Das Durchschnittsalter der Einwohner erhöhte sich bundesweit um 0,1 auf 44,7 Jahre.

Nach fast einem Jahrzehnt durchgängigen Bevölkerungswachstums meldete das Statistische Bundesamt (Destatis) für das Jahr 2020 erstmals wieder einen Rückgang. Das Minus hatte das Amt mit 12.000 Einwohnern auf weiterhin etwa 83,2 Millionen Bundesbürger beziffert. Anfang 2022 waren die Statistiker noch davon ausgegangen, dass sich der Trend auch im Jahr 2021 nicht ins Positive gewendet habe. Diese erste Schätzung hat Destatis jedoch jüngst korrigiert. Demnach ging es im vergangenen Jahr in Deutschland um 89.000 Personen auf gut 83,2 Millionen Einwohner aufwärts.

Damit lebten Ende 2021 mehr Menschen in Deutschland als vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2019, so die Destatis. 2019 hatte die Zunahme noch fast 150.000 Einwohner betragen. In den Jahren davor waren es mindesten 270.000 Personen. Der wanderungsbedingte Rekordzuwachs seit der Wiedervereinigung wurde im Jahr 2015 mit knapp unter einer Million Menschen erreicht.

Netto-Zuwanderung steigt stärker als Geburtendefizit

Die Netto-Zuwanderung erreichte im vergangenen Jahr nach den vorläufigen Ergebnissen mit 317.000 Personen (2020: 220.000 Personen) beinahe das Vor-Corona-Niveau von 327.000 Personen in 2019. Zugleich gab es 228.000 mehr Sterbefälle als Geburten – 2020 waren noch 212.000 Personen mehr gestorben, als geboren wurden.

Zwar stieg einerseits die Geburtenzahl auf 795.000, was dem Höchststand seit 1997 entspricht. Im Vergleich zum Schnitt der Jahre 2018 bis 2020 betrug der Zuwachs zwei Prozent. Andererseits ist auch die Zahl der Todesfälle gestiegen – erstmals seit 1946 sind in 2021 wieder mehr als eine Million Menschen innerhalb eines Kalenderjahres in Deutschland gestorben.

Sachsen mit dem größten Rückgang, Bayern mit dem stärksten Anstieg

Auf Ebene der Bundesländer gehörten Sachsen (minus 13.900 Personen) sowie Sachsen-Anhalt und Thüringen (jeweils minus 11.400) zu den größten Verlierern bei der Einwohneranzahl. Rückgänge standen auch für Bremen (minus 3.700 Personen), das Saarland (minus 1.600 Einwohner) und Nordrhein-Westfalen (minus 1.000 Bürger) zu Buche. Das letztgenannte Land hatte 2020 noch eine mehr als 20-mal so hohe Verminderung zu verzeichnen.

Am deutlichsten angewachsen ist die Bevölkerungszahl in Bayern mit plus 36.800 Einwohnern. Weitere hohe Bevölkerungszuwächse verzeichneten noch Niedersachsen (plus 23.600 Personen) und Baden-Württemberg (plus 21.600 Personen). Fünfstellige Steigerungen waren ansonsten nur noch in Berlin (plus 13.400 Personen) und in Schleswig-Holstein (plus 11.100 Personen) zu beobachten.

Die Demografie bricht sich weiter ihre Bahn

Laut Destatis erhöhte sich das Durchschnittsalter der Bevölkerung leicht um 0,1 auf 44,7 Jahre. Die Zahl der Hochbetagten ab 80 Jahren stieg in 2021 gegenüber dem Vorjahr um 175.000 Personen oder 3,0 Prozent auf 6,1 Millionen Senioren. Die Zahl der Seniorinnen und Senioren zwischen 60 und 79 Jahren stieg um 0,9 Prozent oder 166.000 Personen auf 18,3 Millionen Einwohner.

Auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter 20 Jahren wuchs (plus 0,6 Prozent oder 99.000 Kinder und Jugendliche) auf 15,4 Millionen Menschen. Im selben Zeitraum schrumpfte hingegen die Gruppe der 20- bis 59-Jährigen um 258.000 Personen auf 43,3 Millionen Einwohner dieser Altersklasse (minus 0,8 Prozent). Die Zahlen belegen, dass trotz des derzeitigen Bevölkerungsanstiegs das Problem des Demografiewandels, also unter anderem der zunehmenden Alterung der Bevölkerung, weiterhin nicht gelöst ist.

Das hat Auswirkungen auf die gesetzliche Altersrente

Experten rechnen aufgrund des fortschreitenden Demografiewandels, dass auch künftig immer weniger Erwerbstätige für immer mehr Rentner aufkommen müssen. Es ist daher davon auszugehen, dass auch das Rentenniveau, das aktuell bei nur rund 49 Prozent liegt, weiterhin sinken wird. Zwar wird aufgrund einer gesetzlichen Regelung ein Absinken unter 48 Prozent bis zum Jahr 2025 verhindert. Allerdings ist laut dem Rentenversicherungs-Bericht 2021 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) danach eine weitere Reduzierung des Rentenniveaus möglich.

Das BMAS geht Vorausberechnungen zufolge davon aus, dass das Rentenniveau bis 2030 auf 47,6 Prozent und bis 2035 auf 45,8 Prozent sinken wird. Das heißt, selbst nach 45 Jahren Erwerbstätigkeit liegt die Höhe der gesetzlichen Altersrente unter der Hälfte des Erwerbseinkommens. Daher sollte man sich nicht auf die gesetzliche Altersabsicherung als alleinige Einkommenssicherung im Alter verlassen. Eine frühzeitige private Altersvorsorge ist damit unverzichtbar. Entsprechende individuelle Lösungen, teils mit staatlichen Geldförderungen, bietet die Versicherungswirtschaft an.

Quelle: VersicherungsJournal Verlag GmbH

zurück